Wie die Seiten es drucken
Ückeritz nach Jahren
Die Chronik von Ückeritz ist eine Jahresliste, keine zusammenhängende Erzählung. Hinter manchen Zeilen steht der Heimatverein Ückeritz, hinter anderen nur die Klammer 30. Die 30 wird nicht aufgelöst. Wo ein Satz mit Am beginnt und der Tag fehlt, bleibt der Tag fehlen.
Klosterdorf und schwedische Vermesser
1270 steht die Schreibweise Ukerz. Als Quelle nennt die Zeile Manfred Niemeyer und die Greifswalder Beiträge zur Ortsnamenkunde. Der nächste Satz beginnt mit Am: Mönche tauschten auf Erlass des Herzogs Barnim I. das große Dorf Damerow bei Naugard gegen sechs kleine Dörfer auf Usedom, die bisher ihren Zehnten an die Domherren zu Cammin gezahlt hatten. Der Tag nach Am ist nicht gesetzt.
Ab jetzt fielen die Einkünfte von Damerow an das Kloster Cammin, die der Dörfer Ückeritz, Loddin, Balm, Mellenthin, Suckow und Krienke an das Kloster Grobe bei Usedom. Ückeritz wird Klosterdorf, frei von allen anderen Abgaben und Lasten. 1388 genehmigte der Abt des Klosters Pudagla, Heinrich Netzeband, den Bau eines Kruges bei Wokenin am Strande, um armer Leute willen, die da wandern und wanken und Not leiden um der Herberge willen. Wieder nur die Klammer 30.
1618 beginnt der Dreißigjährige Krieg. Ückeritz wird durch Truppen unter Führung von Wallenstein zerstört. 1648 gehört die Insel Usedom zu Schweden. 1660 wurden sechs Bauern angesiedelt. Sie erhielten je 130 pommersche Morgen Acker und Wiesen, Quelle Heimatverein. 1693 wird Ückeritz erstmals durch schwedische Vermesser vermessen. 1740 steht zweimal: ein Schulhalter auf eigene Rechnung, und Ückeritz als erster Ort auf der Insel mit einem Schulhalter. Hofdienste der Bauern in der neu gegründeten Domäne Zinnowitz stehen in derselben Zeit, wieder mit dem Heimatverein.
Packerei, Schule und die ersten Badegäste
1820 entsteht die erste Heringspackerei am Strand. 1840 entsteht in der Fischerstraße ein Schulhaus. 1858 zählt die Chronik sechs Bauernhöfe, 34 Büdner, einen Müller, zusammen 56 Wohnhäuser und 400 Einwohner. 1870 sind es 403 Einwohner in 85 Haushaltungen, 69 Wohnhäuser, eine Mühle, eine Schule und ein Gasthaus. An Vieh stehen 14 Pferde, 106 Rinder, 147 Schafe, 54 Schweine und 20 Ziegen.
1881 wurde ein Schützenverein gegründet. 1887 wird die Landstraße von Bansin nach Zinnowitz gebaut. 1893 kommen die ersten offiziellen Badegäste, im Schöllermannschen Gasthof und im Gasthof Deutscher Kaiser. 1899 werden die Gaststätten Wockninsee und Fichtenhain von den Familien Prutz und Schöllermann gebaut. 1902 entstehen die ersten beiden Badeanstalten am Strand. Die Chronik schreibt entsehen. 1904 stehen 562 Badegäste, 1913 stehen 1601, beide Male mit der Klammer 30.
1911 kommt der Anschluss an die Eisenbahn Heringsdorf–Wolgaster Fähre. 1912 der Anschluss ans Überlandnetz Stralsund und die Einweihung des Friedhofs. Die Adressliste der Touristinfos nennt für Ückeritz später das Haus des Gastes in der Bäderstraße 5. Dieses Haus steht in der Chronik unter 1912 nicht.
Zwei Kriege und die Künstlerkolonie
1914 bis 1918 verlieren 19 Ückeritzer Männer ihr Leben. 1924 wird ein Gedenkstein für die Opfer des Ersten Weltkriegs durch den Kriegerverein, den Bürgerverein und den Fischerverein aufgestellt. Im selben Jahr die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr. 1929 Schulbau in der Strandstraße 3, Baukosten 130000 Mark, ohne Punkt in der Zahl.
1932 Gründung der Künstlerkolonie, Begründer Professor Manigk. 1938 bis 1939 Bau einer Flakschule am Strand. 1939 bis 1945 sterben 63 Bürger. 1945 Abwurf von Brandbomben, fünf Häuser brannten ab. Einheiten der Roten Armee besetzen Ückeritz. Die Kommandantur wird im Haus von Walter Jäger eingerichtet, die Truppen werden in der Schule einquartiert. Die Gaststätte Fichtenhain und das Wohnhaus werden von sowjetischen Soldaten angesteckt, weil Naziuniformen gefunden wurden.
Frau Hella Manigk wird vom sowjetischen Kommandanten als Bürgermeister eingesetzt. Als Bürgermeister wird dann Erich Schulz gewählt. Die Chronik schreibt Kommandaten. Ein Straßenname zu den fünf abgebrannten Häusern fehlt. Die Flakschule bleibt in der Spanne 1938 bis 1939 ohne einen einzelnen Einweihungstag. Die Notiz zu den beiden Inseln bleibt bei der Übersicht und setzt hinter den Krieg keine dieser Namen.
Nach 1945 bis zur Kapelle
1946 wird Robert Burkhardt Schulleiter, im Alter von 72 Jahren, nach der Übersiedlung aus Swinemünde. Im selben Jahr wird Bürgermeister Erich Blätter öffentlich auf den Schulhof gewählt. Aus dem Sudetenland kommen Flüchtlinge. 1948 Gründung der Fischerei-Produktionsgenossenschaft Gold des Meeres. 1951 findet der Bauer Herrmann Grewe eine Falkonettenkugel, ein leichtes Geschütz aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Im selben Jahr Bau eines Sportplatzes.
1953 Bau der Sportbaracke und ein Kindergarten in der Waldstraße. Der Deutsche Angelverband, Ortsgruppe Ückeritz, Kölpinsee, Koserow, wird gegründet. 1954 wird die Ückeritzer Schule Zentralschule für Loddin, Pudagla, Neppermin, Balm, Mellenthin und Ückeritz. Robert Burkhardt, Usedomer Heimatforscher, stirbt in diesem Jahr. Die Zeile sagt, er erschrieb mehrere Bücher über die Insel. Titel stehen nicht dabei.
1956 Eröffnung einer Kindergrippe, und der Fischer Horst Krüger zieht ein Griffzungenschwert aus der Ostsee, das sich im Netz verfangen hatte. Es stammt aus der mittleren Bronzezeit vor Christi und befindet sich im Archäologischen Landesmuseum. 1957 Zeltplatz. 1958 Kurplatz mit Pavillon. 1960 Gründung der LPG. 1961 Einweihung der evangelischen Kapelle durch Bischof Krummach er, so die Zeile, mit Abstand vor er. Im selben Jahr erweitert die Firma Biedenweg die Straßenbeleuchtung.
Von der Kaufhalle zu den Millionen
1963 wird ein Karnevalsklub gegründet. 1964 Grundsteinlegung des Schulerweiterungsbaus am 8. Mai, Einweihung am 1. Mai 1965. 1968 eine neue Friedhofshalle und die Gründung des ersten kommunalen Zweckverbandes Camping im Ostseebezirk, Ückeritz-Bansin. 1969 eine Buswartehalle. 1970 Bau und Einweihung einer Kaufhalle. 1976 Bau des Erholungsheims Ostseeblick. 1982 Gründung der Gartensparte Achterwasser. 1988 Beginn der Verlegung einer Abwasserleitung. 1989 Einweihung der neuen Post.
1990 Erneuerung der Bürgersteige und die Kurverwaltung als eigenständiger Betrieb. 2002: 22 Einsätze der Feuerwehr. Grundsteinlegung für das Schulzentrum, für Neu- und Umbau rund 2,55 Millionen Euro veranschlagt. Baubeginn eines Fahrradwegs zwischen Ückeritz und Stubbenfelde, rund 1,7 km lang. Die Schule wird nach Um- und Neubau eingeweiht, Baukosten rund 3 Millionen Euro. Die Chronik setzt die 2,55 und die 3 Millionen nebeneinander und rechnet sie nicht ineinander um.
2008 stehen 370 271 Gäste Übernachtungen im Seebad, mit Leerzeichen in der Zahl. 2009 übernachteten 432 235 Urlauber, wieder mit Leerzeichen. Ab dann Landkreis Vorpommern-Greifswald mit Sitz in Greifswald. Ein Jahr hinter dem Wort ab fehlt. Die Peenemünder Liste hat für 1989 eine Einwohnerzahl, keine Übernachtungszahl. Die Ückeritzer Zeile sagt nicht, ob 370 271 Personen oder Nächte meint. Sie lässt beide Wörter in einer Zeile stehen.
Fragen
Welche Schreibweise steht bei 1270?
Ukerz. Die Quelle in derselben Zeile ist Manfred Niemeyer, Greifswalder Beiträge zur Ortsnamenkunde.
Wie viele Badegäste stehen bei 1904 und 1913?
562 und 1601. Beide Zeilen enden mit der Klammer 30, die nicht aufgelöst wird.
Welche zwei Baukosten stehen 2002 bei der Schule?
Rund 2,55 Millionen Euro als Veranschlagung und rund 3 Millionen Euro bei der Einweihung nach Um- und Neubau.